Oxymel selber machen: So fängst du den Hochsommer im Glas ein
- Sandra von der Wilden Werkstatt

- 22. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Ich wette du hattest auch schon diesen Gedanken: Der August ist da, die Wiesen stehen hoch, überall duftet es nach Sommer, und gleichzeitig macht sich dieser leise Gedanke breit: Bald ist die Saison vorbei. Viele glauben, wer Kräuter über den Sommer hinaus bewahren will, muss sie trocknen oder in Alkohol ansetzen. Genau das ist ein Irrglaube, der sich hartnäckig hält. Es gibt eine weitere Möglichkeit, und sie ist älter als du denkst: Oxymel.
Ich möchte dir heute eine wunderbare gesunde und sehr leckere Möglichkeit an die Hand geben, wie du den Sommer mit seinen Aromen und seiner Heilkraft einfangen kannst. Oxymel selber machen ist wunderbar einfach und man kann herrlich kreativ werden. Welche Wildkräuter und Wildfrüchte jetzt Anfang August dafür bereitstehen und warum dieser Sauerhonig gerade sein großes Comeback feiert. Zwei meiner aktuellen Lieblings-Oxymel habe ich für dich hier zusammengestellt.

Was ist Oxymel überhaupt?
Oxymel, auf Deutsch Sauerhonig, ist eine Mischung aus Honig und Essig, in der Kräuter oder Früchte ausgezogen werden. Der Name kommt aus dem Griechischen: oxos für Essig, meli für Honig.
Das Prinzip ist wunderbar einfach. Honig und Essig konservieren gemeinsam, ganz ohne Hitze und ganz ohne Alkohol. Die Aromen und wasserlöslichen Inhaltsstoffe der Pflanzen gehen in die süßsaure Basis über, und du bekommst einen Auszug, der nicht nur gesund ist sondern ganz herrlich schmeckt. Jedesmal wenn ich meine Oxymele verkoste höre ich warme Hmmmmm´s und überrschende Ooohhh´s. Und das von Erwachsenen und Kindern.
Und beide Extraktionsmedien ziehen nicht nur wertige Inhaltstoffe aus den Pflanzenteilen - nein sie bringen ihre ganz eigenen Gesundheitsvorteile. Denn Essig kann die Verdauung unterstützen, den Blutzuckeranstieg nach Mahlzeiten abflachen und den Gesamtcholesterin geringfügig senken. Honig beruhigt Hals und Schleimhäute, liefert antioxidative Begleitstoffe, wirkt leicht antimikrobiell und verbessert Geschmack und Verträglichkeit.
Genau deshalb passt Oxymel so gut in unsere Zeit: Immer mehr Menschen wünschen sich Naturmittel, die gesund, einfach und alltagstauglich sind. Kein kompliziertes Rezept wo man sich alles erst aus der ganzen Welt anliefern lassen muss, keine lange Zutatenliste, sondern zwei Küchenklassiker und das, was draußen wächst.
Mit Wasser oder Sprudel aufgegossen wird aus einem Esslöffel Oxymel eine erfrischende Sommerlimonade, die du komplett selbst gemacht hast. Und nicht nur ich finde: Das schlägt jeden Softdrink, egal wie aufwendig er beworben wird.

Ein Blick zurück: die lange Geschichte des Sauerhonigs
Oxymel ist alles andere als eine neue Erfindung, auch wenn es sich gerade anfühlt wie der Trend der Stunde. Seine Wurzeln reichen bis in die griechische Antike zurück. Bereits Hippokrates von Kos, der berühmteste Arzt des antiken Griechenlands, empfahl den Sauerhonig als kraftspendendes Getränk, unter anderem für Athleten, und setzte ihn bei Beschwerden der Atemwege ein.
Auch nach ihm riss die Tradition nicht ab. Der Arzt Dioskurides, der im ersten Jahrhundert zur Zeit Kaiser Neros wirkte, hielt die Rezeptur in seinen medizinischen Schriften fest, und der große Galen führte die Empfehlungen seiner Vorgänger fort. Von der Antike wanderte das Wissen weiter: Sowohl im mittelalterlichen Europa als auch in der islamischen Medizin gehörte Oxymel zu den geschätzten Hausrezepturen, traditionell eingesetzt bei Husten, Erkältungen und Verdauungsbeschwerden.
Wenn du also heute ein Glas Sommer-Oxymel ansetzt, stehst du in einer über zweitausend Jahre alten Tradition. Nur dass deine Zutaten nicht vom antiken Marktplatz stammen, sondern von der Wiese um die Ecke.
Das Grundrezept: Oxymel selber machen in drei Schritten
Für dein Basis-Oxymel brauchst du nur zwei Zutaten und ein sauberes Bügelglas.
(wenn du Schraubgläser nutzt, nehme eines was einen säureresistenten Deckel hat - du erkennst es daran, das der Deckel innen einen blauen Rand hat)
Zutaten:
1 Teil naturtrüber Apfelessig
2 Teile naturbelassener Honig
1 bis 2 Handvoll frische Wildkräuter oder Wildfrüchte
So gehst du vor:
Zuerst die gewaschene Früchte und Wildkräuter ( Blüten ungewaschen) in den Apfelessig geben und etwas ziehen lassen.
Danach den Honig unterrühren und alles gut vermengen. Schau das keine Pflanzenteile aus der Flüssigkeit herausragen ( diese könnten schimmeln)
Verschließe das Glas und lass den Ansatz ein bis zwei Wochen an einem dunklen, kühlen Ort ziehen. Schwenke ihn dabei alle paar Tage einmal durch. Danach seihst du die Pflanzenteile ab und füllst dein fertiges Oxymel in eine saubere Flasche.
Wenn du es gerne spritziger und sauerer magst - tausche die Teile einfach ( 2 Teile Essig und 1 Teil Honig) Du bist der Creator - du bestimmst :)
Wichtig: Du brauchst nichts erhitzen. Kühl und dunkel gelagert hält sich der fertige Auszug viele Monate.
Diese Wildkräuter stehen jetzt bereit
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Bitter-Wild Oxymel

Dost: der wilde Bruder des Oregano
Der Dost, auch wilder Majoran genannt, blüht im August in voller Pracht. Du findest ihn auf trockenen, sonnigen Wiesen, an Wegrändern und Böschungen, seine rosa Blütenstände sind ein Magnet für Schmetterlinge. Sein Aroma ist würzig und warm, oft intensiver als das vieler Garten-Oreganos. Im Oxymel bringt er eine kräuterig-mediterrane Note mit, die wunderbar zu einem Spritzer Zitrone im fertigen Getränk passt. Er wird traditionell bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Appetitlosigkeit, Husten und Erkältungen eingesetzt.
Schafgarbe: die Bittere unter den Sommerkräutern
Die Schafgarbe steht jetzt in voller Blüte. Sie enthält Bitterstoffe, Flavonoide und ätherische Öle und wird traditionell zur Unterstützung der Verdauung verwendet. Ihre feinen, gefiederten Blätter und die weißen Blütenschirme geben dem Oxymel eine herbe, erwachsene Note. Gerade die Bitterstoffe erleben übrigens ein echtes Comeback in der Kräuterküche, denn bitter ist das neue gesund, wie man so schön sagt. Verwende die Schafgarbe sparsam, ihr Charakter ist kräftig.
Wilde Früchte dazu: die Kirschpflaume
Kirschpflaumen kennen viele gar nicht beim Namen, dabei begegnen sie uns in der Stadt ständig: als Zierbäume an Straßen, in Parks und auf Brachen. Ihre kirschgroßen Früchte reifen je nach Sorte von Juli bis in den August und leuchten gelb, rot oder dunkelviolett. Sie schmecken süßsäuerlich und machen das Oxymel angenehm frisch. Entferne die Steine vor dem Ansetzen und schneide die Früchte klein.
Eine weitere tolle Kombination:
Brombeer-Brennnessel Oxymel

Brennnesselsamen: heimisches Superfood das wir an jeder Ecke finden
Viele denken, die Brennnessel sei im August längst durch. Das Gegenteil ist der Fall: Jetzt reifen ihre Samen, und die gelten unter Kräuterkundigen als kleiner Schatz. Die grünen bis bräunlichen Samenstände streifst du einfach mit den Fingern ab (Handschuhe helfen). Ihr Geschmack ist nussig und mild. Sie sind sehr proteinreich und haben wertvolle Fettsäuren. Im Oxymel hinterlassen sie ihre zahlreichen Mineralstoffe die sich im Essig wunderbar lösen, du kannst sie aber genauso gut trocknen und über Salate oder dein Frühstück streuen.
Mörsere sie leicht an bevor du sie verwendest.
Brombeeren, fruchtig tief und voller Antioxidatien
Brombeeren reifen ab August an sonnigen Waldrändern, Hecken und Bahndämmen. Im Oxymel geben sie Farbe und eine samtige, dunkle Süße ab. Zerdrücke sie vor dem Ansetzen leicht mit einer Gabel, dann lösen sich Saft und Aroma besser. Die Brombeerfrüchte liefern viele Anthocyane, Gerbstoffe und weitere Polyphenole, die antioxidativ wirken und darauf hinweisen die Herz-Kreislauf- sowie Stoffwechselgesundheit unterstützen zu können.
Dein Sommer-Oxymel Baukasten
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Sicher sammeln: darauf kommt es an
Wie immer beim Wildpflanzensammeln gilt: Ernte nur, was du zweifelsfrei erkennst. Die Schafgarbe hat mit ihren ( scheinbaren) Doldenblüten giftige Verwandte in der Familie der Doldenblütler, mit denen sie auf den ersten Blick verwechselt werden kann, auch wenn sie selbst botanisch zu den Korbblütlern gehört. Schau dir deshalb immer das Gesamtbild an: die fein gefiederten, fast farnartigen Blätter der Schafgarbe sind ein gutes Erkennungsmerkmal. Sammle außerdem abseits stark befahrener Straßen, nicht in Naturschutzgebieten und immer nur so viel, wie du brauchst.
Wenn du beim Bestimmen noch unsicher bist: Genau dafür ist der Wildpflanzen-Wegweiser da. Er gibt dir Sicherheit, Routine und viele wunderbare Anwendungsmöglichkeiten, tolle Rezepte und eine wilde Gemeinschaft zum Austauschen. Ab Herbst 2026 nehme ich dich darin Schritt für Schritt mit, damit du Wildpflanzen sicher erkennst und mit gutem Gefühl nutzen kannst. Wenn du als Erste davon erfahren möchtest, trag dich gern hier ein und sei auf dem Laufenden.
So genießt du dein fertiges Oxymel
Als Sommerdrink: 1 bis 2 Esslöffel auf ein großes Glas kaltes Wasser oder Sprudel, dazu Eiswürfel und ein Kräuterzweig, ein Zitrönchen oder Frucht fürs Auge.
In der Küche: als süßsaure Komponente in Salatdressings oder Marinaden ( einfach mega-lecker und simpel).
Als kleine Routine: ein Löffel in lauwarmem Wasser am Morgen, so wie es viele Oxymel-Fans heute als festen Start in den Tag pflegen.
Der Hochsommer ist kurz. Aber mit ein paar Gläsern Oxymel im Schrank trägst du ihn bis tief in den Winter hinein. Und jedes Mal, wenn du die Flasche öffnest, duftet es ein bisschen nach Augustwiese.
Ich wünsche dir sonnige Sammeltage und viel Freude beim Ansetzen!
Herzliche SommergrüßeSandra
Und wenn du wirklich in die Umsetzung kommen möchtest, Naturprodukte selber & sicher herstellen möchtest, du Wildes erkennen und nutzen willst- dann nehme an der kleinen Umfrage teil und finde heraus welche Möglichkeiten es gibt.
Quellen und weiterführende Links
Geschichte des Oxymels:
E-Typisch: Wildkräuter-Extrakt-Oxymel (Herkunft des Namens, Hippokrates, Dioskurides, Galen) → https://www.e-typisch.de/haushalt/gesunder-genussbereich/wildkraeuter-extrakt/
Bienen-Gesundheit: Fermentierter Honig einfach erklärt – Oxymel, Met und Anwendung (traditionelle Verwendung im mittelalterlichen Europa und in der islamischen Medizin) → https://www.bienen-gesundheit.com/fermentierter-honig-oxymel-met/
Welt der Mikroben: Frühjahrs-Oxymel (Anwendung als Morgenroutine, Erfrischungsgetränk, Inhaltsstoffe von Wildkräutern im Auszug) → https://www.weltdermikroben.de/fruehjahrs-oxymel-heilkraft-im-fermentationsgefaess/
Wildpflanzen im August:
Kräuterkeller: Essbare Wildpflanzen im August (Brennnesselsamen, Dost, Schafgarbe, Brombeeren, Spitzwegerichsamen als Flohsamenersatz) → https://mein-kraeuterkeller.de/wildkraeuter-august
Smarticular: Wildkräuter im August (Dost in voller Blüte, Ernte und Trocknung) → https://www.smarticular.net/schmackhaftes-aus-feld-und-flur-wildkraeuter-im-august/
Krautgeschwister: Sammelkalender Juli (Schafgarbe: Bitterstoffe, Flavonoide, ätherische Öle, traditionelle Verwendung bei Verdauungsbeschwerden) → https://krautgeschwister.de/2026/07/01/sammelkalender-juli/
Kostbare Natur: Wildkräuter-Sammelkalender August → https://www.kostbarenatur.net/essbare-wildkraeuter-ernte-kalender-august/




Hallo Sandra,
hab vielen Dank für die Oxymelinspirationen in diesem Beitrag. Auch die Idee mit dem Sommer-Oxymel-Baukasten finde ich toll. Meine ausgewählte Kombi mit Brennnesselsamen, Löwenzahnwurzel und Brombeeren probiere ich aus, sobald die Brombeeren bei uns reif sind in ein paar Tagen. Löwenzahnwurzel hab ich noch getrocknet. Oder soll die jetzt im Sommer ausgegraben werden? Dankeschön. Viele wilde Pflanzengrüße