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Borretsch – Das Gurkenkraut, das glücklich macht

Aktualisiert: 9. Aug.


Ein Pflanzenportrait von Anja Gruner de Almeida ( Podcast " Kräuternote")


Leuchtend blaue, sternförmige Blüten, raue, borstig behaarte Blätter und ein Geschmack, der an Gurke erinnert: Borretsch ist eine faszinierende Pflanze, die im Garten sofort ins Auge fällt. Doch hinter dem bekannten „Gurkenkraut“ steckt noch viel mehr.

Also was macht diese Pflanze so besonders?


Borretschblüte


Borretsch erkennen: blaue Sterne im Garten


Borretsch stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und ist eine einjährige Pflanze. Hat er sich jedoch einmal im Garten angesiedelt, sorgt er oft selbst dafür, dass er im nächsten Jahr wiederauftaucht. Denn Borretsch bildet reichlich Samen und sät sich gerne selbst aus.

Die Pflanze kann bis zu 80 Zentimeter hoch werden und liebt sonnige Standorte mit eher feuchten Böden. Und wie es sich für Raublattgewächse gehört, sind ihre Blätter und Stängel borstig behaart.

Besonders auffällig sind ihre intensiv blau-violetten Blüten, die von Mai bis September blühen. Sie haben fünf blaue Kronblätter, wodurch sie wie blau leuchtende Sterne aussehen, aus denen in der Mitte Staubblätter und Griffel herausragen.


Warum Borretsch auch Gurkenkraut genannt wird


Borretsch wird vorwiegend als Gewürzpflanze angebaut und dann z.B. als Gewürz zum Gurkeneinlegen genutzt.

Als Gurkenkraut bezeichnet wird er wegen seines charakteristischen Geschmacks und Geruchs, der an frische Gurke erinnern soll. Vor allem junge Blätter werden als angenehm frisch und leicht säuerlich beschrieben. Ältere Blätter können dagegen kräftiger schmecken und sind durch ihre stärkere Behaarung weniger angenehm zu essen.

Das habe ich letztens im Garten selbst mal überprüft. Als ich an einem älteren Blatt gerochen und geknabbert habe, fand ich das nicht so wirklich gurkig. Aber die noch grüne dreiteilige Frucht (das sind sogenannte Klausenfrüchte), die mal zum Samen wird, die hat nach grüner Gurke gerochen, wenn ich ein wenig daran mit den Fingern gerieben habe, eindeutig! Also kann ich mir vorstellen, dass der zerstoßene Samen dann auch definitiv nach Gurke duftet.


Borretsch in der Küche: Blätter und Blüten verwenden


In der Küche werden vor allem die jungen Blätter und die wunderschönen Blüten verwendet.

Die jungen Blätter können roh oder gekocht verwendet werden, zum Beispiel in Salaten, in Kräuterquark, einfach auf dem (Butter-)Brot, in Kartoffel- oder Gurkensalaten als Gewürz, zu Gemüsegerichten, in Eierspeisen oder als Gewürzkraut in Spinat, Zucchini- oder Kohlgemüsen. Beim Erhitzen von Borretsch geht jedoch der gurkige Duft etwas verloren.

Die blauen Blüten sind ein echter Hingucker und können als essbare Dekoration verwendet werden. Sie verschönern Kuchen, Obstsalate, generell alle möglichen Süßspeisen, kalte Suppen und Getränke. Sie können kandiert werden und wirken auch besonders schön in Eiswürfeln.

Da Borretsch beim Trocknen und Einfrieren viel von seinem Aroma sowie seinen Wirkstoffen verliert, eignet sich die Konservierung in Öl- oder Essig deutlich besser.


Ist Borretsch giftig? Vorsicht bei übermäßigem Verzehr


So vielseitig Borretsch auch ist, beim Verzehr ist ein wichtiger Punkt zu beachten.

Das Kraut sollte nicht regelmäßig und nicht in großen Mengen gegessen werden, da die in geringen Mengen enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide in größeren Mengen leberschädigend sind.

Ein gelegentlicher Verzehr kleiner Mengen gilt jedoch als unbedenklich. Ebenso ein Verzehr der Blüten und Samen sowie des aus den Samen gepressten Borretschöls, da diese die erwähnten Alkaloide nicht oder nur in Spuren enthalten. Also für Blüten und Samen sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Auch während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf Borretsch und Borretschöl vorsichtshalber verzichtet werden.



Borretsch im Garten


Inhaltsstoffe von Borretsch: was in ihm steckt


Borretsch hat nicht nur wunderschöne Blüten und einen besonderen Geschmack, sondern steckt auch voller wertvoller Inhaltsstoffe. Dazu gehören unter anderem ätherisches Öl, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Saponine, Flavonoide, Allantoin (wie im Beinwell), Vitamin C und Mineralstoffe wie z.B. Kieselsäure und Kalzium.

Besonders interessant ist das enthaltene Allantoin, das auch im Beinwell vorkommt. Es ist für seine zellregenerierenden, wundheilenden und entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt und findet sich vor allem in den Blättern und Blüten des Borretsch.

Aus der ganzen Pflanze lässt sich somit ein Sud herstellen, der äußerlich für Waschungen, Bäder und Umschläge verwendet werden kann. Auch zerstoßene, frische Blätter können als Breiumschlag auf die Haut gelegt werden. Ein solcher Pflanzenbrei kann bei Hautproblemen wie Abszessen, Geschwüren und Verbrennungen eingesetzt werden und soll dabei beruhigend und schmerzlindernd wirken.


Borretsch und seine Wirkung: was er sonst noch kann


Borretsch gilt unter anderem als schweißtreibend und damit fiebersenkend sowie als harntreibend, wodurch Wasser und Giftstoffe aus dem Körper transportiert werden.

Dadurch ist er auch hilfreich bei Blaseninfektionen, weil er hilft, die Bakterien zu entfernen und die Blase durchzuspülen.

Auch entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften werden dem Borretsch zugeschrieben. Darüber hinaus wird die Pflanze als beruhigend und ausgleichend beschrieben und kann bei innerer Unruhe und nervöser Anspannung eingesetzt werden.

Zudem wirkt das Kraut auch beruhigend auf die Magenschleimhaut und hilft, Entzündungen im Darmtrakt zu reduzieren und kann daher hilfreich bei Reizdarm sein.

Außerdem soll der Borretsch eine blutdrucksenkende und regulierende Wirkung aufweisen.

 

Dem Tee aus den Blättern und Blüten oder der Tinktur werden herzstärkende und schleimlösende, entzündungshemmende, stimmungsaufhellende und beruhigende Wirkungen zugeschrieben.

Damit kann man auch bei Halsentzündungen gurgeln, um Mund und Rachen von Bakterien zu befreien.



Borretschöl: wertvoll für die Hautpflege


Aus den Samen des Borretsch wird ein wertvolles Öl gewonnen, das besonders viel Gamma-Linolensäure, eine mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure enthält.

Borretschöl kann sowohl innerlich als auch äußerlich verwendet werden. Das Öl wirkt beruhigend und entzündungshemmend, kann eine Fehlsteuerung im Hautstoffwechsel ausgleichen und kann den Blutdruck senken. Es kann Bestandteil von Hautpflege sein und wird unter anderem bei trockener und empfindlicher Haut eingesetzt. 

Auch bei entzündlichen Hautproblemen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte wird Borretschöl geschätzt. Die Anwendung erfordert allerdings etwas Geduld, da sich mögliche Effekte häufig erst nach längerer regelmäßiger Einnahme von etwa 4-12 Wochen am Stück zeigen. Dabei zeigten sich auch bei Kindern gute Erfolge und auch in der Tiermedizin wird das Öl angewendet.


Borretsch als Schutzpflanze


Um Borretsch ranken sich auch einige Geschichten, die zeigen, welche symbolische Bedeutung Borretsch früher hatte.

Die Pflanze galt früher als Mutmacher und Schutzpflanze. Der Name wird unter anderem mit dem keltischen Wort „borrach“ in Verbindung gebracht, welches „Mut“ bedeutet.

Der Überlieferung nach tranken Kreuzritter vor ihrer Reise ins Heilige Land einen Borretschaufguss. Und die Burgfräulein sollen Borretschblüten in die Schärpen eingestickt haben, die sie ihren Rittern mit auf den Weg in den Kampf gaben.

 

Du siehst also, was für eine interessante und faszinierende Pflanze der Borretsch ist.

Vielleicht entdeckst du ja bald selbst ein Exemplar in deinem Garten oder in deiner Nähe und dann wünsche ich dir viel Spaß bei seiner Erkundung.

Ansonsten, bleibe wild und würzig und verpasse deinem Leben eine Kräuternote!



Häufige Fragen zu Borretsch (FAQ)


Ist Borretsch essbar?

Ja. Vor allem die jungen Blätter und die blauen Blüten werden verwendet. Borretsch sollte aber nicht regelmäßig und nicht in großen Mengen gegessen werden, weil er Pyrrolizidinalkaloide enthält, die in größeren Mengen leberschädigend sind. Blüten und Samen gelten als unbedenklich.


Warum heißt Borretsch Gurkenkraut?

Wegen seines Geschmacks und Geruchs, der an frische Gurke erinnert. Besonders die jungen Blätter schmecken frisch und leicht säuerlich.


Wie schmeckt Borretsch?

Frisch und leicht gurkig. Junge Blätter sind mild, ältere schmecken kräftiger und sind durch die stärkere Behaarung weniger angenehm zu essen.


Darf man Borretsch in der Schwangerschaft essen?

Vorsichtshalber sollte während Schwangerschaft und Stillzeit auf Borretsch und Borretschöl verzichtet werden.


Wofür wird Borretsch traditionell verwendet?

Borretsch gilt seit dem Altertum als Glücklichmacher und wurde in der Volksmedizin mit guter Stimmung und innerer Ausgeglichenheit verbunden. Aus den Samen wird zudem Borretschöl gewonnen, das vor allem in der Hautpflege geschätzt wird.


Vielen lieben Dank liebe Anja, für dein spannendes Essay zum Borretsch.


Wer mehr davon möchte der ist eingeladen das sehr kurzweiliges und schönes Interview mit Anja anzuschauen.

Melde dich gerne hier an! Und freue dich genauso wie darüber.

Im Interview erzählt sie von ihren drei Herzenspflanzen, vom Sammeln als Meditation und davon, wie Einsteiger anfangen, ohne sich zu verzetteln.

Zudem wie sie zu der Idee des Kräuter-Podcast " Kräuternote" gekommen ist


Ein Pflanzenportrait steht auch noch für dich bereit.


Viel Freude dabei!




Hier Video mit dem Interview anschauen!



Du möchtest mehr von Anja hören? Dann schaue gerne in ihren Podcast Kräuternote rein.

Hier geht es um ihre Entdeckungen aus der Pflanzenwelt. Es lohnt sich!



 
 
 

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